Samstag, 10. Juli 2010

schwimmen

vor zwei tagen war ich schwimmen im see. mit der glatze das wasser zu berühren war sehr lustig, schließlich empfindet man ohne den schutz von haaren ja ganz anders.
nun, es war vielleicht trotzdem ein wenig viel, denn gestern waren meine beine lahm und müde wie schon lange nicht mehr...egal.

Donnerstag, 8. Juli 2010

augenbrauen und so

dank der dkms ergab es sich vor zwei tagen, dass ich mich mal wieder mit augenbrauen in die öffentlichkeit begab. bei einem kostenlosen schminkseminar im krankenhaus wurde mir und zwölf anderen frauen gezeigt was wir alles mit "farben" und entsprechenden "stiften" machen können und nach zwei stunden sahen wir wirklich alle sehr toll aus. das ganze hat viel spaß gebracht und ich kann das nur jeder krebspatientin empfehlen.
insgesamt muss ich ehrlich zugeben, dass ich mir nach dem seminar auf die schulter geklopft habe, weil mir klar wurde, dass ich wirklich sehr gut mit meiner situation umgehe. in der gruppe war ich nicht nur diejenige mit den meisten chemos und entsprechend die einzige ohne augenbrauen und wimpern, nein, auch die einzige, die ihr tuch abnahm und vor allem diejenige die am meisten spaß hatte.

Mittwoch, 7. Juli 2010

unverträglichkeit docetaxel (2. teil)

achtung: liebe krebspatientinnen,
bitte vergesst nicht, dass es möglich ist, dass ihr das docetaxel gut vertragt! es kann euch auch gut damit gehen. nebenwirkungen bei der chemo sind bei jedem anders!das hier ist meine geschichte, eure kann eine ganz andere sein. mir hat es geholfen hier einiges aufzuschreiben, dennoch empfehle ich sich während der chemo im allgemeinen keine negativen nebenwirkungsgeschichten reinzuziehen, das macht eher unnötige angst. umgebt euch lieber mit schönem und tut euch gutes!

fortsetzung der geschichte:

nach der blutabnahme schlich ich am arm des bruders in das hauptgebäude zur ärztin in den zweiten stock, d.h. erst mal in den warteraum. die zeit zog sich dahin, mein kopf schien wie abgeschaltet, ich sprach kaum, wartete nur und schlich zwischendurch einige male auf klo wegen des durchfalles. nach zweieinhalb stunden kam ich endlich dran. ich hätte mich auch bestimmt früher bemerkbar machen können, aber das wollte ich nicht, ich war doch kein notfall und die sollten auch nicht denken, dass ich mich anstelle. überhaupt war ich überzeugt davon wieder nach hause geschickt zu werden, schließlich bräuchte ich bestimmt nur die richtigen medikamente und alles würde gut werden, -so dachte ich...
"sie sehen aber schlecht aus!" war die begrüßung der ärztin. ja, das hatte ich auch feststellen müssen als mein blick auf der toilette in den spiegel fiel: ein rotes neuridermitisgesicht gespickt mit superdicken eiterpusteln guckte mich an und ich musste zugeben, wirklich gesund sah das nicht aus.
die ärztin hörte sich kurz meine leiden an, guckte mir in den mund und telefonierte sofort herum, um mir ein bett zu besorgen.
sie war ganz furchtbar lieb und sagte nur das nächste mal solle ich bei den beschwerden fünf tage früher kommmen und dann sofort in die rettungstelle gehen, statt drei stunden auf sie zu warten.
nach den laborwerten waren meine leukozyten glatt bei null und irgendwelche anderen blutwerte, die auch für die abwehr zuständig sind und deren normalwert sich bei 500 befinden sollte, waren bei 33... ich durfte niemandem mehr die hand geben und sollte mich sofort in die rettungsstelle begeben, damit ich dort versorgt werde.
das war der moment in dem ich ein wenig begriff und halb lachend halb weinend feststellte: -dann war ich wohl ganz schön tapfer die letzten tage, kann das sein?
"ja, das waren sie auf jeden fall, aber das müssen sie nicht!"
die ärztin malte blumen auf den zettel auf dem sie meine laborwerte notiert hatte und ich konnte nicht anders: -ach, wenn sie schon blumen auf meine laborwerte malen, dann kann es doch nur noch aufwärts gehen!- und grinste.

in der rettungsstelle bekam ich schnell ein bett und es wuselten lauter ärzte um mich herum, vor allem ein herr dr. lustig. -ach, herr dr. lustig, da kann ja nichts mehr schief gehen, -wollte ich sagen, aber irgendetwas hielt mich ab...
"guten tag frau sophie, sie arme, ihnen geht es ja wirklich nicht gut, sie arme, aber das wird schon... *tätschel, tätschel*, haben sie schmerzen in ihrem bäuchlein? meine kollegin legt ihnen jetzt eine flexüle, vielleicht kriegen sie ein kleines schmerzchen, aber nur kurz. in dem tröpfchen ist flüssigkeit für sie, ach sie arme, mensch *tätschel, tätschel* und ihr gesichtchen, sieht das schon lange so aus?"
dieser arzt war überhaupt nicht lustig, er machte mich eher aggressiv mit seinen verniedlichungen und seinem mitleid. ich kam mir vor wie einem schlechten film und staunte, dass es so etwas auch in der realität gibt.
"wir bräuchten dann auch ein wenig lulu von ihnen, bei den mädchen heißt das ja lulu... hier ist ein becherchen dafür."
ich brauchte ein wenig bis ich begriff, von lulu hatte ich noch nie etwas gehört. ich nahm ihm den becher ab und fragte noch mal nach: -ach, sie wollen, dass ich in den becher pinkel, richtig? am liebsten hätte ich pissen gesagt, das schien mir dann aber doch zu grob.
"ja, sie machen lulu in den becher."
ich fragte mich wie seine kollegen es mit ihm aushielten. aber, er setzte sich für mich ein, achtete haargenau, dass alles richtig bei mir lief und brachte mir extra einen pandemie mundschutz, damit ich mir mit meinem lahmgelegten abwehrsystem keine keime einfing. der mundschutz war ganz modern und er war stolz drauf mir keinen einfachen anzubieten. leider ging das nach hinten los, ein paar minuten später spürte ich kurzatmigkeit, ich riss mir das ding runter soweit es ging und bat laut darum, dass jemand kommen möge. ein pfleger kam, ich sagte ihm was los sei und wies ihn an, dass ich mein asthmaspray bräuchte. er stand etwas hilflos rum, gab mir meinen rucksack, in dem sich das spray befand und stand wieder hilflos rum.
der mundschutz hing noch um mein kinn und ich wurde nervös: -jetzt machen sie mir schon das ding ab! danach können wir das spray suchen und sie geben mir einen anderen mundschutz! -befahl ich und wunderte mich selbst über meinen strengen ton. ich war äußert konzentriert auf das was nötig war, für alles andere hatte ich keine kraft.

zwei stunden später wurde ich von einem höchstsympathischen krankenpfleger auf meine station geschoben; quer durch das krankenhaus mit meiner schlechten haut, der glatze und dem mundschutz. ich wußte, dass ich nun das typische bild abgab, welches die anderen nicht sehen wollen: eine krebspatientin, der es schlecht geht; da bekommen andere menschen angst.
der transportkrankenpfleger war prima, wir lachten viel und sprachen über die wm, astrologie und das gesundheitssystem. er brachte mich auf die privatstation und ich meckerte über das zweiklassensystem. (ich gehöre zu den leuten die kein geld haben, jedoch zur zeit nicht aus der privatversicherung rauskommen.)

in ein einzelzimmer, dass so groß ist, dass man darin hätte tanzen können, wurde ich geschoben, das sollte also für die nächsten tage mein reich sein.
kurze zeit später besuchte mich der diensthabende arzt, sorgenvoll betrachtete er mich und sagte immer wieder: "ich will ihnen ja keine angst machen, aber das muss jetzt aufwärts gehen!"
-ich weiß, das wird es schon, geht ja gar nicht anders-
ich glaube ich hatte keine kraft für ein anderes gefühl außer zuversicht.

Donnerstag, 1. Juli 2010

unverträglichkeit docetaxel (1. teil)

achtung: liebe krebspatientinnen,
bitte vergesst nicht, dass es möglich ist, dass ihr das docetaxel gut vertragt! es kann euch auch gut damit gehen. nebenwirkungen bei der chemo sind bei jedem anders!das hier ist meine geschichte, eure kann eine ganz andere sein. mir hat es geholfen hier einiges aufzuschreiben, dennoch empfehle ich sich während der chemo im allgemeinen keine negativen nebenwirkungsgeschichten reinzuziehen, das macht eher unnötige angst. umgebt euch lieber mit schönem und tut euch gutes!

meine geschichte:

vor drei wochen, nach der infusion mit docetaxel war ich erst mal unglaublich froh darüber weder übelkeit noch eine große geschmacksveränderung zu merken. ich konnte essen und genießen, super! auch von schlappheit keine anzeichen und so fuhr ich am nächsten tag mit dem besten mann der welt bei 33grad hitze 16km rad, langsam mit einer pause, aber zum schluss fuhr ich ihm davon und wir lachten...
-hey, wo bleibst du? ich dachte du bist hier der 10 jahre jüngere und zudem gesund!
"jaja, erzähl mir nicht noch mal dass du krank bist"
:)

einen tag später kamen leichte gliederschmerzen und ich gönnte mir ruhe und viel schlaf, wie auch sonst freitags nach einer chemo. ein paar tage, dann würde auch die schlappheit vergehen, wie immer... so dachte ich....

am samstag kam ich kaum aus dem bett, unter der dusche wurde mir ganz komisch und ich setzte mich lieber hin. den einkauf hätte ich ohne die begleitung des weltbesten mannes wohl kaum geschafft. dennoch war ich sicher, dass die welt in zwei tagen wieder anders aussehen würde und meine kräfte wiederkommen.
in der nachfolgenden nacht konnte ich vor gliederschmerzen kaum schlafen und bekam durchfall. um 5:00uhr morgens verabschiedete ich den mann zur frühschicht und spielte noch die tapfere: -das wird schon besser, mach dir keine sorgen, liebster, konzentrier dich auf deine arbeit...

drei stunden später wählte ich die nummer der besten freundin, die natürlich noch schlief und sprach auf die mailbox: -du musst kommen, ich brauche hilfe!
wenige stunden später stand sie in der wohnung, in jeder hand eine tasche, eine mit dvds, die andere mit nahrungsmitteln. vor erleichterung verfiel ich in einen lachanfall: -jetzt glaub ich auch, dass ich krebs habe...
ich bekam zu essen, wir glotzten und ich pumpte mich mit schmerztabletten und zeug gegen den durchfall voll. die hemmschwelle medikamente zu nehmen war bei null angekommen. und sie halfen ein wenig, so dass ich mutig wurde und beschloss, dass rumliegen auch nicht immer so gut sein kann, mich anzog und mit der freundin einen sehr langsamen spaziergang um den block wagte. danach fiel ich sofort wieder ins bett.
abends wurden die schmerzen jedoch wieder stärker und in den armen des weltbesten mannes wurde ich ganz weich, mir kamen die tränen. er wollte mich ins krankenhaus schicken, ich entschied mich aber für den bereitschaftsarzt. es war sonntag, das erste deutschlandspiel ging los und ich bekam kaum etwas mit.
der fernseher lief, ich war zu schlapp um hinzugucken, hob jedoch bei jedem tor den arm und gab etwas lachend ein müdes: -yeah, tor!- von mir.
die bereitschaftsärztin verabreichte eine spritze gegen die schmerzen, hinterließ eine schlaftablette und äußerte besorgt gegenüber dem weltbesten mann, dass die schmerzmittel, die ich schon genommen hatte schon recht stark seien.
die spritze half nicht viel, die schlaftablette sorgte jedoch dafür, dass ich schläfrig umnebelt und mit einer ruhe den stündlichen durchfall ertrug und sofort wieder einschlief.
ich hatte alles recht gut organisiert, mein bruder schlief bei mir und die nachfolgenden nächte auch. (der beste mann der welt sollte sich nicht solche sorgen machen und sich auf seine neue arbeit konzentrieren, daher lieber der bruder.)
an den darauffolgenden tagen kamen freunde, bekochten mich und kauften ein.
ich war immer noch sicher, dass der spuk irgendwann vorbei sei und es mir dann besser gehen würde. und überhaupt, bei krebs gehört körperliches extremes leiden doch bestimmt dazu, jetzt war es eben soweit.

nun, der durchfall hielt an, das fieber kam immer wieder, die gliederschmerzen auch, meine mundschleimhaut ging kaputt, so dass es kaum noch möglich war etwas zu essen und an den händen bekam ich schon einen kurzen schub von taubheitsgefühl. ich wurde immer schlapper, laufen schien mir unmöglich.
es war wieder mittwoch, eine woche war nach der chemo schon vergangen und ich ließ mich vom bruder zur blutbilduntersuchung und zur besprechung mit der ärztin ins krankenhaus fahren. ich war weder in der lage meine tasche zu packen noch konnte ich alleine laufen. dieser zustand schien mir so absurd, dass ich am treppengeländer halt suchend und beim bruder eingehakt, langsam wie eine 80jährige zum auto schlich und dabei die ganze zeit lachen musste.
die autofahrt ohne klimaanlage mit der sonne von vorne war anstregend, ich stöhnte ab und zu und konzentrierte mich darauf, dass mein kreislauf nicht total absackte.
wie ich vom krankenhausparkplatz zur blutabnahme kommen sollte, war mir selbst unklar, den vorschlag des bruders einen rollstuhl zu organisieren lehnte ich jedoch mit einem lauten und scharfen NEIN ab, das keine widerrede duldete. ich hakte mich nochmals bei ihm ein und schritt für schritt schlichen wir zum gebäude. die blutabnahme befindet sich im ersten stock, mein bruder schlug den aufzug vor, ich wollte die treppe: ICH KANN DAS! langsam und vorsichtig zog ich mich am geländer hoch.
mir war klar, so musste mein vater den krieg und auch den schlaganfall vom letzten jahr überstanden haben. in diesem fall war ich tochter meines vaters, stur und zäh.

Mittwoch, 30. Juni 2010

stricken

...möglicherweise fange ich noch an zu stricken... mitten im sommer...

nach docetaxel...

heute vor drei wochen bekam ich meine erste chemo mit docetaxel. diese zeug aus der europäischen eibe hat mich total umgehauen -so, dass meine blutwerte gestern noch nicht in ordnung waren und ich statt zur chemo wieder nach hause geschickt wurde.
-vorher schnell noch von der schwester eine spritze in den bauch, die die leukos im blut erhöhen soll.
die neue, nun wöchentliche chemo beginnt somit also erst am montag.

Montag, 14. Juni 2010

docetaxel nebenwirkungen

jetzt hat es mich voll erwischt. noch nie im leben solche schmerzen gehabt.